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Die ZIF
Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser
Von den 356 Frauenhäusern, die es in Deutschland zur Zeit gibt, bezeichnen sich 135 als Autonome
Frauenhäuser und geben damit ihrer parteipolitischen und konfessionellen Unabhängigkeit Ausdruck.
Sie tragen häufig den Vereinsnamen Frauen helfen Frauen und bilden damit weitere wichtige
Prinzipen ihrer Arbeit bereits im Vereinsnamen ab. Frauenhäuser sind Orte von Frauen für Frauen.
Die Vereine arbeiten in Selbstverwaltung mit basisdemokratischen Elementen, wozu auch das
Mitspracherecht der Bewohnerinnen der Frauenhäuser zählt. Die Arbeit erfolgt nach dem Hilfe-zur-
Selbsthilfe-Prinzip und dem Prinzip der Parteilichkeit für von Gewalt betroffene Frauen, Mädchen und
Jungen. Mitarbeiterinnen der Autonomen Frauenhäuser arbeiten und entscheiden in der Regel in
gleichberechtigten Teams ohne Geschäftsleitung und ohne Chefin.
Autonome Frauenhäuser haben ihre Ursprünge in und ihre Konzeptions-Inspiration aus der
Frauenbewegung der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Sie sehen die patriarchalen
Gesellschaftsstrukturen und Hierarchien als wichtige Ursache der bestehenden Gewalt- und
Machtverhältnisse. Ihre Arbeit basiert auf den politischen Grundsätzen von feministischem und
antirassistischem Denken und Handeln. Besonders Autonome Frauenhäuser sind immer wieder und
waren zu allen Zeiten öffentlichen Angriffen ausgesetzt, was sich unter anderem darin zeigte, dass in
den Aufbaujahren viele Autonome Frauenhausträger durch feindliche Übernahmen von
Wohlfahrtsverbänden und kirchlichen Trägern ihre Arbeit einstellen mussten. Im letzten Jahrzehnt
wurden aufgrund von massiven finanziellen Einschnitten durch die öffentlichen Geldgeber zahlreiche
Frauenhäuser unabhängig von ihrer Trägerschaft zur endgültigen Aufgabe bzw. zum Abbau von
Frauenhausplätzen gezwungen.
Die Gründung der ZIF
Mitten in der Aufbauphase der Frauenhäuser wurde die Zentrale Informationsstelle Autonomer
Frauenhäuser (ZIF) auf Beschluss der Teilnehmerinnen des 8. Nationalen Frauenhaustreffens in
Braunschweig im Jahr 1980 als Vernetzungs-, Informations- und Koordinationsstelle eingerichtet.
Die Frauenhausinitiativen blickten zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine kurze und bewegende
Geschichte zurück. Gab es im Jahr 1975, dem von der UNO ausgerufenen Jahr der Frau, nicht eine
einzige Zufluchtsstätte für misshandelte Frauen und ihre Kinder in West-Deutschland, wurden bereits
im Oktober 1976 in West-Berlin und im November 1976 in Köln die ersten Frauenhäuser als Projekte
der neuen Frauenbewegung eröffnet. Auch ermutigt durch die Erfahrungen in England, wo zu diesem
Zeitpunkt bereits etliche Frauenhäuser existierten, gründeten sich in vielen Städten West-
Deutschlands Frauenhausinitiativen/Gruppen mit dem Ziel des Aufbaus von selbstverwalteten
Frauenhäusern. In der Entstehungsphase wurde es eine wichtige Aufgabe der neugegründeten ZIF,
Frauenhausinitiativen beim Aufbau ihrer Frauenhäuser unterstützend zu beraten. Weiter stellte sie die
Vernetzung und den Informationsaustausch unter den Frauenhäusern und Frauenhausinitiativen
sicher und trug so maßgeblich zur Stärkung der Frauenhausbewegung und der Überwindung der
zahlreichen regionalen und überregionalen parteipolitischen Widerstände bei. Entscheidungen zum
Beispiel über bundesweite Finanzierungsforderungen wurden auf den einmal jährlich stattfindenden
Nationalen Frauenhaustreffen gemeinsam gefällt. Später wurden diese Treffen in kritischer
Abgrenzung zum Nationalen in Bundesweite Treffen der Autonomen Frauenhäuser (BWT)
umbenannt. Anfang der Neunziger unterstützte die ZIF neugegründete Frauenhäuser in den Neuen
Bundesländern. Fast zehn Jahre lang fanden Ost-West-Treffen (OWT) der Frauenhäuser statt.
Die Arbeit der ZIF
Die Arbeit der ZIF wurde und wird maßgeblich über Beitragszahlungen der Autonomen Frauenhäuser
finanziert. Durch die finanzielle Unabhängigkeit von öffentlichen Finanzierungsträgern soll die
politische Unabhängigkeit dauerhaft sichergestellt werden.
Angelehnt an das Prinzip der Rotation, ist die ZIF auch heute nur „vorübergehend“ an einen
Frauenhausverein angeschlossen. Doch beträgt ihre „Amtszeit“ nicht mehr nur ein Jahr wie in der
Anfangszeit, um dann in ein anderes Frauenhaus - möglichst in einem anderen Bundesland - zu
wechseln. Heute wird die ZIF durch ihre Mitgliedsvereine für mindestens drei Jahre gewählt. Danach
besteht die Option der befristeten Wiederwahl. Dies eröffnet die Möglichkeit einer längerfristigen
Planung und größeren Kontinuität bei guter Arbeit. Die Anbindung an ein Frauenhaus und die Rotation
dienen der Sicherstellung der Praxisnähe. Dauerhafte Machtkonzentration und Funktionärstätigkeiten
sollen über das Rotationsprinzip bereits im Vorfeld verhindert werden. Zur Zeit hat die ZIF ihren
Geschäftssitz in Kassel.
Die Aufgabenfelder der ZIF wurden im Laufe der Jahre erweitert. Heute hat sie in Zusammenarbeit mit
dem ZIF-Beirat das Mandat zur eigenständigen Öffentlichkeitsarbeit. Der ZIF-Beirat setzt sich aus
Vertreterinnen der Landesarbeitsgemeinschaften der Autonomen Frauenhäuser (LAGs) zusammen,
legt die Arbeitsschwerpunkte fest und unterstützt die Arbeit der Hauptamtlichen. Neben dem
Tagesgeschäft und der Koordination der bundesweiten Vernetzungsarbeit, gehören das Organisieren
von Kongressen, von Kampagnen und Fortbildungsveranstaltungen zu dem Aufgabenspektrum der
ZIF. In enger Zusammenarbeit mit dem ZIF-Beirat , den bundesweit arbeitenden Arbeitsgruppen (z. B.
zur Finanzierung oder zum Kindschaftsrecht) und in Kooperation mit anderen Organisationen,
versucht die ZIF Einfluss auf Meinungsbildung und Gesetzgebung zu nehmen.
Im Jahr 2010 wird die ZIF dreißig Jahre alt und sie ist ohne Zweifel ein gelungenes Beispiel für
dauerhafte Vernetzungs-, Koordinations- und Öffentlichkeitsarbeit nach basisdemokratischen
Prinzipien.
Eine Selbstdarstellung der ZIF ist auch als
PDF-Datei
verfügbar. (Stand Nov. 2009)
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